Wenn wir den Reaktionen anderer vorbeugen und unsere eigenen Reaktionen kontrollieren, dann können wir dafür sorgen, dass Konflikte nicht ausufern und Schaden anrichten!

Wer kennt es nicht: Ein eigentlich ganz harmloses Thema führt im Gespräch zum kommunikativen Supergau!! Was ist passiert? Warum ist es passiert? Und hätte es vielleicht sogar vermieden werden können? Dazu möchte ich Euch heute etwas an die Hand geben, womit Ihr Euer Verhalten in Konfliktsituationen überprüfen könnt und gerne auch ändern, wenn Ihr mögt.

Das eingangs aufgeführte Zitat, dessen Verfasser ich leider nicht ausfindig machen konnte, fasst für mich die Quintessenz von Konfliktsituationen zusammen und ich finde, wir sollten uns mal etwas eingehender damit beschäftigen.

Warum kommt es zu Konfliktsituationen? Das kann natürlich passieren, wenn unser Gegenüber anderer Meinung ist. Das ist dann aber nicht automatisch ein Konflikt, eher ein Streitgespräch, denn unterschiedliche Meinungen werden zwar oftmals heftigst diskutiert und debattiert, fallen für mich aber nicht unter den Begriff „kommunikativer Supergau“. Wie also kommt es zum Konflikt?

Stellen wir uns folgende Situation vor: Wir haben das Bedürfnis, JETZT unserem Gegenüber von einer Erfahrung zu berichten und erzählen (je nach Thema) fröhlich/ begeistert/ entrüstet/ traurig drauf los. Wir denken gar nicht groß drüber nach, wir beginnen einfach mit unserer Erzählung. Unser Gegenüber kämpft zur gleichen Zeit mit einem komplizierten Vorgang, hat heute eine eigene Erfahrung gemacht und ist in Gedanken noch dort oder aber überlegt gerade, wie er dieses oder jenes Problem noch angeht. Unser Gegenüber hört uns zwar reden, aber hört er/sie auch zu? Irgendwann geht unsere Stimme hoch, weil wir eine Frage gestellt haben. Jetzt kommt Hektik auf, denn von unserer vorgelagerten Erzählung hat unser Gegenüber nur „… Chef … Gehalt …“ und vielleicht noch unseren Tonfall mitbekommen. Das Ergebnis: Unser Gegenüber reagiert unwirsch, weil ertappt, aber halt unschuldig ertappt, denn er/sie war ja selbst beschäftigt, was wir nicht beachtet haben. Oder unser Gegenüber versucht, die Situation zu retten, und antwortet uns, aber da die Story inhaltlich ja durchgerauscht ist, passt die Antwort nicht zu unserer Frage. Beide Reaktionen unseres Gegenübers führen dazu, dass wir enttäuscht/ entrüstet/ wütend sind, weil unser Gegenüber uns nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt hat. Es fallen Sätze wie „Du hörst mir nie zu“, wir reagieren pikiert und sind eingeschnappt/ sauer/ enttäuscht. Kommt Euch das bekannt vor? Dachte ich mir!

Anhand dieses Beispiels lassen sich zwei Ursachen für Konflikte identifizieren:

  • Wir haben einfach drauf losgequatscht, ohne darauf zu achten, ob unser Gegenüber gerade überhaupt bereit ist, uns zuzuhören.
  • Unser Gegenüber hat sich überrumpeln lassen: Zu irgendeinem Zeitpunkt hätte er nämlich sagen können: „Sorry, lass mich das gerade fertig machen, dann bin ich voll für Dich da.“

Um also den Reaktionen anderer vorzubeugen, hilft es, dass wir uns auf unser Gegenüber einstellen. Wir können also zum Beispiel darauf achten:

  • Hat unser Gegenüber gerade Zeit, uns zuzuhören?
  • Hat unser Gegenüber gerade einen freien Kopf, um zu verstehen, was wir besprechen wollen?
  • Weiß unser Gegenüber überhaupt, worüber wir sprechen, entsteht für ihn ein Bild bei unserer Erzählung oder reden wir in Floskeln, die unser Gegenüber überhaupt nicht versteht (was gerne passiert, wenn man von Erlebnissen aus dem Arbeitsumfeld berichtet und in die Arbeits-/Fachsprache verfällt oder von Menschen berichtet, die unser Gegenüber nicht kennt)?

Hierzu wäre es hilfreich zu überlegen, in welchen Situationen es in der Vergangenheit zu Konflikten gekommen ist. War es der Zeitpunkt, als der eine Part nach einem langen Arbeitstag genervt jetzt auch noch am Herd steht (und die Dunstabzugshaube brummt, das Essen gerade anbrennt, …) und der andere Part in die Küche kommt und munter drauf los quatscht mit dem Ziel, eine Entscheidung zu einem bestimmten Thema herbeizuführen. War es, als unser Gegenüber auf der Couch saß und einfach nur vor sich hinstarrte und wir im Versuch, unsere Hilfe anzubieten, auf unsere harmlose Frage „Ist was?“ ein rüffeliges „Nix“ ernten? War es sonntagmorgens am Frühstückstisch, wenn er nach dem Joggen quietschfidel Pläne für den Tag macht und sie mehr schlafend als wach daneben sitzt und sich nur wünscht, dass er endlich still ist. In welchen Situationen kommt es bei Euch zu Konflikten? Wiederholen sich die Rahmenbedingungen? Entweder gemeinsam oder alleine (wenn es um Konflikte beispielsweise im beruflichen Kontext geht) könnt Ihr jetzt überlegen, warum es immer wieder in genau diesen Situationen zum Konflikt kam. Und man könnte ein Vorgehen vereinbaren, um die Eskalation in diesen Situationen zu vermeiden. Kurz: Es hilft, wenn man achtsam(er) auf sein Gegenüber achtet und ihn „abholt“, zum Beispiel mit folgenden Fragen:

  • „Hast Du gerade einen Augenblick Zeit für mich?“
  • „Hast Du gerade Zeit und den Kopf frei, damit wir uns mal über XXX unterhalten?“
  • „Ich würde mich gerne mal mit Dir über XXX unterhalten, wann passt Dir das denn am besten?“

Mit diesem Vorgehen respektieren wir unser Gegenüber und dessen aktuelle Situation. Wir hauen nicht einfach mit unserer Kommunikation raus, sondern ermöglichen uns und unserem Gegenüber, dem Thema die gewünschte Aufmerksamkeit zu widmen und müssen keine Energie und Nerven in Konfliktgespräche stecken.

Wir sollten unserem Gegenüber die Chance geben, sich voll und ganz auf das Gespräch zu konzentrieren. Und wenn es unserem Gegenüber gerade nicht passt, uns zuzuhören und die volle Aufmerksamkeit zu schenken, ja dann muss gestattet sein, dass er/sie uns bittet,, das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt zu führen, der besser passt. Es lohnt sich auf jeden Fall, eine Gesprächsatmosphäre zu schaffen, in der ALLE Beteiligten mit der vollen Aufmerksamkeit am Gespräch teilnehmen können!

Solltet Ihr Unterstützung bei der Betrachtung solcher Situationen haben, unterstütze ich Euch natürlich gerne dabei.

Eure

Britta Zernetsch

PS: Das eingangs aufgeführte Zitat besteht ja aus einem weiteren Teil „… und unsere eigenen Reaktionen kontrollieren…“ – dazu mehr demnächst hier .

(Autorin: Britta Zernetsch)

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